MICHAEL GIBBS - „I’ll LOOK AROUND“

Michael Gibbs wurde am 25. September 1937 in Salisbury, Südrhodesien (heute Harare, die Hauptstadt von Simbabwe) geboren. Früh spielte er Klavier und Posaune. Im Jahr 1959 zog er in die USA nach Boston, um am Berklee College of Music zu studieren, und kam schnell in Kontakt mit der dortigen progressiven Jazzszene. Mit einem Stipendium ging er 1960 an die Lennox School of Jazz und studierte dort bei Gunter Schuller, George Russell und J.J. Johnson. Gibbs, der ein großes Interesse an zeitgenössischer klassischer Musik hatte, machte 1963 seinen Abschluss am Boston Conservatory of Music. Er erhielt ein Vollstipendium für die Tanglewood Summer School, wo er weitere Einflüsse von Schuller, Aaron Copland, Iannis Xenakis und Lukas Foss aufnahm.

Sein Plattendebüt gab Michael Gibbs 1962, gemeinsam mit Phil Woods, Clark Terry, Tommy Flanagan und Joe Morello ist er auf dem zweiten Album des Vibraphonisten Gary Burton, ein Freund aus Berklee-Zeiten, zu hören. Im Jahr 1964 zog Gibbs nach London, wo er durch seine Arbeit mit Tubby Hayes, Graham Collier, John Dankworth und Cleo Laine zu einem gefragten Posaunisten wurde. Das war auch der Beginn seiner äußerst produktiven Karriere als Studiomusiker und Arrangeur für Radio-, Fernseh-, Film- und Popsessions.

Michael Gibbs ist einer der führenden Jazzarrangeure und -komponisten. Sein persönlicher, stark strukturierter Kompositionsstil lässt Einflüsse von Gil Evans, Charles Ives und Oliver Messiaen erkennen. Mit treibenden Rock-Rhythmen und asymmetrischer Phrasierung hat er in seinen Kompositionen die Jazz-Rock-Bewegung der 1970er-Jahre vorweggenommen. U.a. die Veröffentlichung seines Debütalbums unter eigenem Namen im Jahr 1970 und des Nachfolgeralbums Tanglewood '63 (beide auf Deram) führte zu einer Reihe von Auszeichnungen und Preisen des „Melody Maker“, darunter „Bester Arrangeur“ und „Musiker des Jahres“.

1974 kehrte Michael Gibbs auf dem Höhepunkt seines Erfolgs aus Europa in die USA zurück, um die Stelle des Composer-in-Residence in Berklee anzunehmen. Diese Position hatte er bis 1983 inne, dann beschloss er, sich in New York auf seine freiberufliche Tätigkeit zu konzentrieren. Zwei Jahre später kehrte er nach London zurück und nahm wieder mit seiner eigenen Band auf, u.a. 1988 sein von der Kritik gefeiertes Album „Big Music“ (Virgin/Venture). Obwohl Gibbs, der seit Mitte der 1980er-Jahre zwischen den USA und Europa pendelt, seinen kreativen Fokus auf das Komponieren gelegt hat, war er dennoch auch auf Tour, zum Beispiel 1991 bei einer Großbritannien-Tournee mit John Scofield. 2007 wurde ihm große Aufmerksamkeit zuteil, als er anlässlich seines 70. Geburtstags mit einem großen All-Star-Ensemble, zu dem Bill Frisell, Steve Swallow, Adam Nussbaum und Chris Hunter gehörten, in Großbritannien auf Tour ging.

Aktuell lebt Michael Gibbs in Malaga und unterrichtet als engagierter Pädagoge an großen Universitäten weltweit. Er hat die Filmmusik für fast ein Dutzend Filme komponiert, von „Madame Sin“ mit Bette Davis und „Being Human“ mit Robin Williams bis hin zu „Hard Boiled“ unter der Regie von John Woo und „Housekeeping“ unter der Regie von Bill Forsyth. Seine bekannteste Komposition ist wahrscheinlich „Sweet Rain“, ein Jazzstandard, der von zahlreichen Jazzgiganten eingespielt wurde, darunter Stan Getz, Stephane Grappelli, Gary Burton, Randy Weston und Herb Pomeroy.

Das Bundesjazzorchester ist sehr stolz, mit Michael Gibbs im Rahmen des Projekts „I’ll Look Around“ im Sommer 2022 zusammenzuarbeiten. Gibbs erweitert hier seine mit der NDR Bigband begonnene Arbeit am Billie-Holiday-Songbook, bei dem auch das BuJazzO-Vokalensemble besonders zur Geltung kommt. Dazu erklingen Titel aus Gibbs‘ persönlichem Notenarchiv, die er exklusiv für diese Kooperation ausgewählt hat.

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